Schärensegeln

Segeln in Schweden

Ankern oder vor Heckanker an die Schäre?

Zum spitzen Anlegen an der Schäre bracht man am besten eine Heckrolle mit 30 bis 50 Meter Gurtband und einen Heckanker. Wir fahren einen 7,5 kg schweren Bruce, der immer gut gehalten hat. Sehr praktisch ist auch eine Trittleiter, die man vom Bugkorb nach vorne ausbringt, um sicherer vom Schiff auf den Granit zu treten. Man kann nicht sicher sein, dass ein steiler Granitfels tiefes Wasser garantiert. Vorsichtiges Herantasten vermeidet Bodenkontakt. Hat man den Heckanker bei passender Distanz ausgebracht, rollt sich das Gurtband von ganz allein ab und der Steuermann kann sich auf das Anlegemanöver konzentrieren. Wir benutzen dazu manchmal unsere Handfunke. Das erspart uns lautes Rufen. Jetzt werden zwei Landleinen V-förmig an größeren Bäumen oder Schärenhaken fixiert und die Heckleine durchgeholt. Achtung auf kleine Bäume (armdick), die Verwurzelung hält dem Gewicht u.U. nicht stand.

Viele Schweden bevorzugen diese Art des Anlegens und führen entsprechend auf ihren Schiffen keinen Buganker. Wir sind da zweigeteilt. Die Schäre gibt direkt Landkontakt, kann aber auch rutschig oder zu steil/zu flach sein. Das Hinterland kann unwegsam sein etc. Außerdem stehen auf den Granitfelsen nachmittags die Mücken, da sich die Steine durch die Sonneneinstrahlung stark erwärmen.Bei unerwartetem Schwell durch vorbei fahrende Schiffe besteht ein Kollisionsrisiko mit den Steinen oder dem Grund. Deshalb ist es empfehlenswert, über Nacht die Landleinen zu fieren und einige Meter Distanz zu den Felsen zu nehmen, um bei Schwell oder einer unerwarteten Winddrehung nicht unmittelbar auf den Felsen zu stoßen. Wir ankern auch ganz gerne. Der Ankergrund ist meist gut (Ton), es muss aber unbedingt auf gutes Einfahren des Ankers geachtet werden, da wir auch schon verkrauteten Grund und Granitfels vorgefunden haben. Die Ankertiefe beträgt meist 3-5 m gleich 15-25 m Kette. Mit dem Dinghi ist man dann schnell an Land.

Eine weitere Möglichkeit besteht in der Nutzung einer SXK-Boje, die an bestimmten Stellen als Mooring ausgebracht wurden. Wir sind im Svenska Krusaklubben Mitglied und dürfen unentgeltlich diese Bojen nutzen (bisher erst einmal genutzt).

Ankerbälle habe ich bei keinem Schweden bisher gesehen. Ankerlichter selten (kein Wunder, da es in der Sommerzeit eh nicht dunkel wird)

Gas

Mehrmals hatte ich vor unserer Reise im Internet recherchiert, ohne befriedigende Informationen zu bekommen. Aus meiner Sicht sollte man folgendermaßen vorgehen. Man kaufe sich bei SVB einen Gasanschlussadapter Typ 3: #30087 für 4,90 € und in Schweden die bei Seglernübliche blaue 2 kg Gasflasche. Achtung! In Schweden gibt es im Prinzip drei verschiedene Anschlüsse! Den kleinen (15 mm für die 2 kg Flache), den 33 mm für große Flaschen und die Campinggaz Flaschen. Der SVB-Adapter passt nur für die gängigen 2 kg Flaschen. Insgesamt sind die Gaspreise sehr hoch. Eine Füllung (2 kg) kostet ca. 22 €. Die Alternative wäre, mit Gas sparsam umzugehen und in den Marinas Strom zu nehmen. Der schlägt allerdings in vielen Marinas mit mindestens 4 €, häufig auch mit 6-7 € pro Tag zu Buche.

Marinas

Meist guter Standard. Waschmaschinen und Trockner und Strom gibt’s immer. Um so weiter man Richtung Stockholm kommt, fangen die Marinas an, einzeln abzurechnen. Strom oder Waschmaschine extra usw. Liegegebühren von 100 Kronen (12 €) bis 300 Kronen (35 €) sind drin. Glücklich kann sich derjenige schätzen, der mit seiner 50 Fuß Megayacht anreist – gleicher Preis! In den Häfen liegt umsonst ein Hafenverzeichnis (Gästhamns Guiden) aus, in ihm findet man u.a. die Ausstattung der Marinas und die Liegegebühren. Man liegt meist vor Heckboje. Sehr praktisch und bewährt ist ein Bojenhaken aus Edelstahl, der nicht fehlen sollte – mit dem Gurtband am Heckkorb eine praktische und entspannte Technik beim Anlegen.

Stockholmer Schärengarten

(Von Landsort bis Arholma)

Im Stockholmer Schärengarten findet man an vielen Stellen Infohäuschen, Wasseranschlüsse (-pumpen), Müllstationen, Toiletten und Saunen der Skärgardsstiftelsen. Dort liegen sehr empfehlenswerte Hefte mit speziellen Liegeplatzinfos für viele Schären aus. Auf manchen gibt es kleine öffentliche Saunas zur Selbstbenutzung (sehr urig). Alles übrigens (bis auf die Sauna) umsonst und zur freundlichen und verantwortlichen Nutzung bestimmt. Wir haben sogar Feuerplätze gefunden, da gab es bereits vorgehacktes, trockenes Holz zur unentgeldlichen Benutzung!

Lagerfeuer darf überall gemacht werden, gleiches gilt fürs Angeln, es sei denn,übergeordnete Sonderregelungen verbieten es (z.B. in Naturreservaten kein offenes Feuer). Insbesondere gilt das Allemans Rätt.

Im Frühjahr 2012 von Mai bis Mittsommer war auf den Schären nichts los. Häufig sind wir ganz allein an den schönsten Plätzen. Ab Mittsommer soll sich das allerdings ändern, dann beginnen die Sommerferien.

Alands

Etwas billiger als Schweden. Euro. In den Gasthäfen gibt es immer Saunen inklusive. Fern abgelegene Schären sollen aus Gründen des Naturschutzes nicht angefahren werden dürfen.

Götakanal und Trollhättan

Die Passage (ost-west) kostet 2012 5460 SKR = 637 € für Boote bis 9 m. Enthalten sind alle Schleusen und Hafenliegegebühren. Sehr informativ sind die Seiten www.trollhattan.se. Hier findet man alles Wichtige, auch auf Englisch und Deutsch.

Navigation

Ein GPS-Kartenplotter mit guter Software macht das Segeln stressfrei. Vor der Abfahrt klickt man sich seine Route in die elektronische Seekarte ein und fährt die Route ab. Dann ist es kein Problem, sich in den Schären zurecht zu finden. Aber bitte achte auch auf Hochspannungsleitungen, Seekabel und Brückenhöhen! Ein AIS-Empfänger leistet uns gute Dienste rund um Stockholm. Ein Kartensatz (evtl. gebraucht) ist für die Orientierung und den berühmten general overlook vorteilhaft. Hinzu kommt ein Muß: Gerti und Harm Claußen: Schweden 1 und 2 . Delius Klasing – auch gebracht erfüllt es seine Funktion sehr gut.

Wasserqualität

Das Wasser sieht sehr sauber aus und wir haben keine Quallen gesehen. Marion hat fast täglich gebadet. Auf den seewärtigen Schären gibt es oft kein Trinkwasser, nur vereinzelt Brunnen.

Gesundheit

Wer durch Gras oder den Wald stapft, macht irgendwann Bekanntschaft mit Zecken.

Diese Überträger von Borreliose und FSME sind ein Gesundheitsrisiko. Man sollte versuchen, sich zu schützen, z.B. die Strümpfe über die Hose krämpeln oder Gummistiefel anziehen. Gegen FSME hilft frühzeitig eine dreimalige Impfung;bei Borreliose die dreiwöchige Einnahme von spezieller Antibiotika. Moskitos oder Mücken waren für uns kein besonderes Problem, Autan haben wir nicht benutzen müssen. Allerdings empfiehlt es sich, abends die Kuchenbude zuzumachen, um die Plagegeister nicht im Schlafbereich wiederzufinden/-hören.

Wetter

2011 wurde Schweden durch ein stabiles Rußlandzentralhoch begünstigt. Wir haben (auch 2012) durchweg besseres und wärmeres Wetter als Norddeutschland, aber es gibt natürlich auch hier einmal schlechtes Wetter. Auffallend ist das an vielen Tagen ruhige, stille Wetter. Windstille des nachts kennt man an der deutschen Nordseeküste ja nicht, hier schlafen wir fast immer, ohne Wellengeräusche an der Bordwand zu hören, in absoluter Stille. Es ist Anfang Mai noch sehr kalt, aber die Sonne scheint viel. Allerdings haben wir Anfang Juni auch eine fünftägige Schlechtwetterphase erlebt, die wir mit einem elektrischen Heizer gut überstanden haben (3-8 Grad).

Stürmisches Wetter wird über VHF Stockholm Radio um 1200 auf Englisch angekündigt. Man wechselt dann auf den entsprechenden Arbeitskanal.

Sehr praktisch ist die Nutzung eines Handys mit Internet (siehe unten).

Telekommunikation

Wir haben eine Prepaidkarte von Comviq. Sehr empfehlenswert! Mit dem iphone 4 kann ich direkt einen Hotspot zum Netbook legen und im Internet surfen. Der Tarif Kompis 200 bzw. 50 scheint mir der beste zu sein. Die Telefongebühren nach Deutschland sind unglaublich günstig! Man bekommt die Karte in Supermärkten und an Tankstellen ohne Ausweis oder Anmeldung. Einfach drauf los surfen und telefonieren. 3G gibt es sehr häufig auch auf den Schären. Durch den Zusatztarif Mobilsurf habe ich für 17 Euro 5 GB im Monat zur Verfügung. Das reicht sogar für so manchen Tatort und täglich „Frühstück bei Steffanie“.

Im Internet hole ich mir immer zwei Wetterberichte: der beste ist von ny.no (Norwegischer metereologischer Dienst) und der zweitbeste ist von SMHI (schwedischer metereologischer Dienst). Der Norweger hat mehrfach auf eine Stunde genau den Aufzug von Regen oder Sonne vorher-gesagt!

Winterlager

Eigentlich sollte ein Winterlagerplatz mit wenig Aufwand findbar sein. Die Werften haben häufig was frei, allerdings zu horrenden Preisen (bis zu 2000 €). Besser und viel billiger ist es, einen Verein zu finden, da spart man sich die 25 % Mehrwertsteuer, hat persönlichen Kontakt zu den Einheimischen und zahlt viel weniger (400 €). Wir freuen uns sehr, im Mariefred Botklubb untergekommen zu sein. Billiger kommt es, wenn der Klub über eigene Slipanlagen und Gerätschaften verfügt, um das Schiff mit eigenen Mitteln an den richtigen Platz zu hieven.

An-/Abreise

Kein Problem mit Ryan-Air vom 100 km entfernten Nyköping nach Bremen (alle zwei Tage). Preis pro Person alles zusammen 12,50 – 53 €.

2 Replies to “Schärensegeln”

  1. Hallo ihr beiden,
    sehr interessanter Artikel über das Schärensegeln in Schweden.
    Will dieses Jahr auch dorthin.
    Hab eine Frage zum ankern:
    Ich hab im Bug den Bruce, welchen Anker sollte ich für achtern nehmen?
    Mein Schiff ist eine 10m Segelyacht.
    Vielen Dank für die Beantwortung.
    Beste Grüße,
    Uwe

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